Is(s) halt so

Episode 2

Marmorkuchen Queen

Eine Marmorkuchen Queen wird 70!

Bin gerade mitten im Backmarathon! Oma Ursel hat Geburtstag, der 70.! Und deshalb wollte ich Euch mal etwas verraten: Oma Ursel backt den leckersten Marmorkuchen der Welt! Ne, Mutti, das muss Dir jetzt nicht peinlich sein. Ist einfach so! Oma Ursel backt ihn für Leni („damit sie auch mal was Süßes hat“) und das jede Woche! Lieferservice inklusive! Einmal quer durch die Stadt direkt auf den Küchentisch.

Manche würden Oma Ursel’s Marmorkuchen als stinknormalen Kuchen bezeichnen (aber die einfachsten Dinge sind ja meistens die besten), für uns hat er aber noch ganz andere Seiten. Leni mampft immer die dunkelsten Stücke („viel Kakao muss es sein“), bei meinem Mann findet man ihn in ordentlich großen Stücken auf dem Boden seiner Tasse wieder („do brauch i a Tass‘ Kakao zum Neidunge“) und für mich ist er manchmal der Retter im Alltag. Oft hole ich Leni auf dem Weg vom Büro nach Hause von der Schule ab und erfahre dann, dass am Nachmittag eine Freundin zu Besuch kommt („also so in einer halben Stunde, Mama!“). Okay! Einen Kuchen backen reicht nicht mehr! Schnell etwas Süßes vom Bäcker funktioniert bei uns auch nicht so einfach mit Allergie und Unverträglichkeit. Und da bin ich einfach froh, ihn zu haben: Oma Ursel’s Marmorkuchen!

Zum Geburtstag bekommt Oma Ursel übrigens einen Shopping Queen Tag (Mutti, ich hoffe, Du liest das erst morgen). Sie ist totaler Fan der Sendung und natürlich von Guido. Um Gottes Willen, neee, nicht im Fernsehen! Das wäre zu aufregend, wegen Guido! Wir machen das „auf eigene Faust“! Okay, Guido ist zwar nicht zu ersetzen, aber ich versuche mein Bestes, und Shoppingbegleitung krieg ich auch hin.

Also, alles Gute zum 70., Oma Ursel, und vielen Dank für einfach alles und die unzähligen stinknormalen weltbesten Marmorkuchen! Egal, welche Punktzahl Guido Dir an diesem Tag geben würde, als Marmorkuchen Queen bekommst Du von uns volle 10 Punkte 🙂 !

 

Episode 1

Warum denn immer so eilig?

Neulich morgens, viertel vor acht, ich saß im Auto gerade auf dem Weg zur Arbeit. Auf der Gegenfahrbahn parkte am Straßenrand ein Auto. Meine Führerscheinprüfung ist zwar schon 25 Jahre her, aber soweit ich weiß, muss doch das Auto, auf dessen Seite das Hindernis steht, warten bis die Gegenfahrbahn frei ist, um das parkende Fahrzeug zu überholen, oder? Jedenfalls war es in diesem Fall nicht so und ich trat noch schnell die Bremse. Irgendwie schien es der Fahrer ziemlich eilig zu haben. Klar, wer nicht um diese Zeit? Und dann noch in der Weihnachtszeit! Aber mal ehrlich, ich glaube, er hätte nicht mehr als eine oder zwei Sekunden von seiner Zeit verloren, wenn er einfach kurz gewartet hätte. 15 Minuten später, weiter stadteinwärts, werden aus zwei Fahrspuren eine. Wie jeden Morgen ist hier Stau und „Reisverschlussverfahren“ angesagt. Klappt eigentlich immer ganz gut. Ja eigentlich! Denn der Wagen vor mir klebte seinem Vorgänger auf der Stoßstange und ließ auf gar keinen Fall jemanden von der Nebenfahrbahn einscheren. Warum eigentlich nicht? Ich meine, logisch er musste zur Arbeit wie die Fahrerin des Smart neben ihm, der ich übrigens dann den Vortritt gelassen und die sich mit Hand heben und einem Lächeln im Gesicht bedankt hatte, aber wie wahrscheinlich alle anderen hier auch. Und ganz ehrlich, ob er jetzt ein Auto weiter vorne oder hinten im Stau stand, das machte den Kohl auch nicht fett.

Zwei Tage später stand ich gerade mit Leni und ihrer Freundin an der Kinokasse an. Wir waren recht früh dran, da man die reservierten Karten ja eine halbe Stunde vor Filmstart abholen muss. In der anderen Schlange hatte dies wohl auch ein Vater mit seinem Sohn vor. Die beiden entschieden sich dann in unsere Schlange zu wechseln, da es hier angeblich etwas schneller voranging. Als aber tatsächlich noch jemand einen Gutschein kaufen wollte, hörte ich nur: “Henry, los rüber!“ Und schon standen die beiden wieder in der anderen Schlange. Wir hatten durch den Gutschein einen Riesenzeitverlust von einer Minute. Aber die beiden hatten es sicherlich eilig, weil ihr Film gleich losgeht. Nachdem wir uns noch gemütlich mit Popcorn und Getränken eingedeckt hatten, schauten wir nach unseren Plätzen. Henry und Papa ließen sich bereits ihr Popcorn in der Reihe vor uns schmecken. „Warum hatten die beiden es denn so eilig, es sind doch immernoch 15 Minuten?“ wollten die beiden Mädels wissen. Ich hatte keine Ahnung! Und ich versteh’s auch wirklich nicht. Warum ist dieses „Erster sein“ oder „Alles in bestmöglicher Zeit zu erreichen, obwohl es im Endeffekt überhaupt nichts und niemandem etwas bringt“ für manche Leute so wichtig? Wisst Ihr das? Ich glaube, bei vielen ist es schon fast zur Gewohnheit geworden.

Der Filmabspann begann gerade, über die Leinwand zu laufen, da hatte es jemand wieder ziemlich eilig: “Henry, los zum Ausgang, damit wir ohne in der Schlange zu stehen, rauskommen!“ Oh Mann, der arme Henry, wenigstens konnte er gerade anderthalb Stunden in Ruhe den Film genießen! Übrigens wir waren auch schnell wieder am Auto. Bei sage und schreibe elf Kinobesuchern! Unglaublich oder?!